Gesellschaft

Was ist schon „alt“?

Professor Hans-Werner Wahl über negative Darstellungen von und den guten Umgang mit dem Alter

Gesellschaft
Ist 73 alt? Oder erst 80? Und ist jemand, der mit 64 Jahren Geigenunterricht nimmt, zu alt dafür? Prof. Hans-Werner Wahl hat sich nicht nur mit dem Altern intensiv befasst, sondern auch damit, was die Sichtweise der Gesellschaft auf das Alter, ihre Sprache, ihre Haltung mit Menschen macht, die eben altern.

5.147 Zeichen

Im Schatten der Shops

Frühmorgens im Shopping-Center: Hinter den Kulissen mit einem Techniker

Gesellschaft
Jan Wilhelm greift zum gelben Gehörschutz. Den braucht er gleich. Gerade hat er die massive Stahltür auf dem Parkdeck aufgeschlossen. Leuchtröhrenlicht erhellt den Raum. Draußen ist es dunkel und kühl. Wenn die ersten Kunden um 8 Uhr in die Stadt-Galerie gehen, ist der Techniker schon seit über zwei Stunden auf den Beinen

4.134 Zeichen
5 dazugehörige Bilder

Jung, hübsch und Sozialarbeiterin in der Jugendanstalt

Linda Faix hat sich in der JA Respekt verschafft

Gesellschaft
Sie ist 1,78 Meter groß, hat langes dunkles Haar und ein hübsches Gesicht. Bei Heidi Klum hätte Linda Faix sicher gute Chancen, doch der Markt der Eitelkeiten liegt der 26-Jährigen fern. Sie arbeitet lieber im Knast. Seit eineinhalb Jahr therapiert sie Mörder, Sexualverbrecher und Gewalttäter. Diejenigen, die Bedenken hatten, hat sie eines Besseren belehrt.

3.777 Zeichen
1 dazugehöriges Bild

Schönheitschirurg Dr. Sixtus Allert im Interview: „Druck, der ungesund ist“

Über fragwürdige Schönheitsideale, abgelehnte Operationen und seine Zeit in Wien

Gesellschaft
Inzwischen ist Dr. Sixtus Allert, in den vergangenen Jahren vom Focus unter die besten Mediziner Deutschlands gekürt, entspannter geworden, wenn Leute ihn Schönheitschirurg nennen. Eigentlich wird der Chefarzt der Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie sowie Handchirurgie im Hamelner Sana-Klinikum aber nur ungern so bezeichnet.

6.052 Zeichen
1 dazugehöriges Bild

Zu Fuß durch die Weser?

Der Fluss ist derzeit am Pegel Porta nur rund einen Meter tief. Doch wer meint, er könne einfach so
auf die andere Seite gelangen, liegt falsch. Ein Selbstversuch.

Gesellschaft
Das Weserwasser reicht mir im Uferbereich bis zu den Knien, ein paar Schritte weiter kann ich bereits nicht mehr stehen und plötzlich ist da dieser Sog, der mich in Richtung Fußgängerbrücke zieht. Ich verliere den Halt und werde abgetrieben. Der Versuch, die momentan niedrige Weser zu Fuß zu durchqueren, scheitert gleich zu Beginn.

5.470 Zeichen
2 dazugehörige Bilder

Wo ist das Problem-Paket?

Ein Mindener will seit zehn Wochen wissen, wo der von ihm abgeschickte 
Relaxstuhl geblieben ist. Das letzte Lebenszeichen kam aus Bremen.

Gesellschaft
Die Deutsche Post DHL Group bewegt nach Auskunft ihrer Pressestelle täglich 4,6 Millionen Paketsendungen in Deutschland. Bei dieser Herkulesaufgabe nehmen auch Pannen sagenhafte Ausmaße an, wie ein Verbraucher aus Minden feststellen musste. Vor mehr als zehn Wochen schickte er einen Relaxstuhl auf die Reise – der offenbar im Verteilzentrum Bremen verschollen ist. Seitdem erlebt der Postkunde eine Serie von Misserfolgen bei der Aufklärung des Schicksals seiner Sendung und der damit verbundenen Schadensregulierung.

3.419 Zeichen

Erster Job im neuen Leben

Mohsin Salehee ist vor fast drei Jahren aus Afghanistan geflüchtet. Nach einem Sprachkurs und 
Praktikum arbeitet er seit Anfang des Monats in einem Betrieb in Rahden.

Gesellschaft
Im Oktober 2015 ist Mohsin Salehee aus Afghanistan geflüchtet – zu Fuß und ganz alleine. Sein Ziel: Ein neues Leben beginnen – ohne Krieg und die ständige Angst ums Überleben. Er hat es geschafft und seit dem 1. August arbeitet der 31-Jährige als Metallbauhelfer bei der Firma Hilker Stahl- und Tiefbau in Rahden. Ob der Flüchtling allerdings dauerhaft in Deutschland bleiben darf, ist ungewiss.

4.570 Zeichen
1 dazugehöriges Bild

Wie eine Mama mit Puderzucker

Jessica Struckmann sucht eine Leihoma für ihre Tochter – nicht zur Betreuung, sondern „für die herzliche Beziehung“. Die zu finden ist allerdings schwerer als gedacht.

Gesellschaft
Mit dem Krabbeln klappt es noch nicht so gut – aber Robben reicht auch, um die Küche erstaunlich flink zu durchqueren. Längst ist die Krabbeldecke zu klein, die zehnmonatige Sophia (Name von der Redaktion geändert) erkundet ihre Welt außerhalb der gepolsterten zwei Quadratmeter auf dem Küchenboden. Das klappt bislang ganz gut in Begleitung von Mama Jessica und Papa Kersten. Doch bald soll es weiter hinausgehen: in den Wald, an den Bach oder einfach an die Rührschüssel. Und spätestens dann, da ist sich ihre Mutter sicher, wäre eine Oma toll. Doch die gibt es nicht.

3.936 Zeichen
1 dazugehöriges Bild

Finger weg!

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist immer noch ein Tabuthema. Konfliktberaterin Petra Brinkmann macht die Problematik öffentlich. Und rät zum mutigen Einschreiten.

Gesellschaft
Seit der #MeToo-Debatte im vergangenen Jahr werden sexuelle Übergriffe und Machtmissbrauch wieder intensiv diskutiert. Vor Ort ist es jedoch schwer, Betroffene zu finden, die über ihre Erfahrungen sprechen möchten. Dabei hat eine Studie im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes 2015 ergeben, dass jeder oder jede zweite Befragte schon einmal gesetzlich verbotene Belästigungen am Arbeitsplatz erlebt hat. Das sagte Konfliktberaterin Petra Brinkmann in einem Vortrag vor dem Gleichstellungsausschuss der Stadt Minden. Sie ist im Rechenzentrum der Finanzverwaltung NRW in Düsseldorf für die Ausbildung der Gleichstellungsbeauftragten zuständig.

5.438 Zeichen

Eine Skizze erwacht zum Leben

Die beiden Mindener Brüder Joshua und Connor Wlotzka haben sich mit der Gründung der Streetwear-Marke „Morpheus Clothing“ einen Traum erfüllt. Mithilfe von Profifußballern und Influencern bewerben sie ihre Mode.

Gesellschaft
Modeaffin – das war Connor Wlotzka schon immer. Dass er einmal selbst ein Modelabel führen würde – das ist für den 21-jährigen Mindener die Erfüllung eines Traumes. Zusammen mit seinem älteren Bruder Joshua (23) hat er die Streetwear-Marke „Morpheus Clothing“ vor ungefähr einem Dreivierteljahr ins Leben gerufen. Dabei setzt das Duo ausschließlich auf Kleidung, die sie selbst auch kaufen würden.

5.184 Zeichen
1 dazugehöriges Bild

Auf Tuchfühlung

Erbstücke, Souvenirs und Notkäufe: Hinter manchem Liegehandtuch verbirgt sich 
eine persönliche Geschichte. Das zeigt sich am Badesee Lahde.

Gesellschaft
Noch bevor die Sonne aufgegangen ist, stürmen die Urlauber aus ihren Hotels. Benutzen die Ellbogen, setzen im vermeintlichen Rennen um Leben oder Tod zum Sprint an und wollen im erbitterten Konkurrenzkampf die Ersten sein. Ihr Ziel in vielen Cluburlauben? Die begehrten Liegeplätze am Pool, die sie mit aller Macht vor dem ersten Kaffee reservieren wollen.

3.307 Zeichen
4 dazugehörige Bilder

Wie opulent darf die Einschulungsfeier sein?

Mal bescheiden, mal ein Fest

Gesellschaft
Eine Rede, der Gottesdienst, die Zuckertüte und ein Foto. Vielleicht am Nachmittag noch ein gemeinsames Kaffeetrinken mit Großeltern, mit selbstgebackenem Kuchen. Das war Einschulung früher, im Fall der Autorin in den 1970er Jahren. Bei den Nachbarn war es auch nicht anders. Wann hat sich das eigentlich geändert?

3.499 Zeichen
1 dazugehöriges Bild

Außer Rand und Band

Letzter Teil: Immer mehr psychisch auffällige Gefangene im Knast / Einrichtung eigener Psychiatrie

Gesellschaft
Seit November 2017 hat die Jugendanstalt Hameln eine Vollzugspsychiatrie. Sie wurde notwendig, weil der Umgang mit psychisch auffälligen jungen Männern sich zunehmend schwieriger gestaltete. Ihre Zahl, so der Eindruck vor Ort, steigt seit 2010 kontinuierlich. Adäquate Unterbringungsmöglichkeiten, Erziehung und Förderung existierten für diese jungen Gefangenen bis vor einem guten Jahr nicht. Die Mehrzahl landete in der Sicherheitsabteilung. 2013 benannte die damalige Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz die defizitäre psychiatrische Versorgung als eines der drängendsten Probleme in Niedersachsen – insbesondere des Jugendvollzugs Hameln.

6.503 Zeichen
2 dazugehörige Bilder

Von der Zeit mit den harten Jungs

Aggressionsforscher und Buchautor Jens Weidner über die bewegende Zeit in der Jugendanstalt

Gesellschaft
Aggressionsforscher Jens Weidner ist ein erfolgreicher Mann. In Manager-Seminaren und Karriereratgebern wie „Hart aber unfair“ oder dem Bestseller „Die Peperoni-Strategie“ (33 Wochen Platz 1 im Wirtschaftsbuch-Ranking der Financial Times Deutschland) gibt der Hamburger Professor Führungskräften Tipps, wie sie weniger nett doppelt so erfolgreich sind. Dass Weidner auch deshalb so gut ist, weil er sich mit harten Jungs gut auskennt, wissen die wenigsten. Tatsächlich hat der Professor für Kriminologie und Erziehungswissenschaften in der Jugendanstalt Hameln lange mit Gewalttätern gearbeitet.

4.652 Zeichen
4 dazugehörige Bilder

Kleine Kinder, große Kosten

Alle Jahre wieder stellt der Bund der Steuerzahler seinen Kita-Gebührenvergleich vor. 
Alle Jahre wieder kommt Minden dabei schlecht weg. Aus Elternsicht ist das nicht das einzige Ärgernis.

Gesellschaft
Pünktlich zum Beginn des Kindergartenjahres hat der Bund der Steuerzahler in NRW in diesem Jahr seinen Kitagebührenvergleich herausgebracht. Die Elternbeiträge der 57 größten Städte in Nordrhein-Westfalen werden hier verglichen und wieder einmal ist Minden vorn dabei: Platz zwei bei den Ganztagsplätzen für Kinder über drei Jahren, wenn die Eltern um die 40.000 Euro verdienen. Es dürfte keine Platzierung sein, auf die man im Rathaus stolz ist. Dabei muss man sagen: Vom absoluten Spitzenplatz in NRW ist Minden weit entfernt. Sagenhafte 896 Euro berechnet die Stadt Mülheim an der Ruhr als Höchstbetrag. Der maximale Betrag, der in Minden derzeit fällig werden kann, liegt bei 436 Euro im Monat. Ist es also doch gar nicht so schlimm?

9.572 Zeichen

„Gut, dass Du mich geholt hast“

Zwei Frauen aus der Bereitschaftspflege erzählen / Pflegemütter gesucht

Gesellschaft
Marion Boden überlegte nicht lange, als das Telefon klingelte und das Jugendamt dran war. „Ich habe hier ein Kind auf dem Schoß, das möchte abgeholt werden“, hieß es knapp. So oder ähnlich läuft es oft, wenn Frauen (oder Männer), die für den Bereitschaftspflegedienst des Jugendamtes tätig sind, ein neues Kind ins Haus bekommen. Es sind Kinder auf Zeit, Kinder, die nach ein paar Wochen, Monaten, manchmal Jahren wieder aus dem Leben der Pflegemütter verschwinden. „Wie kannst Du das?“ werden Marion Boden und Silvia Sikatzki oft gefragt.

3.786 Zeichen
1 dazugehöriges Bild

Massive Herausforderungen im Jugendknast

Serie zur Jugendanstalt: Teil 1

Gesellschaft
Resozialisieren statt Wegsperren – mit diesem hehren Ziel startete die Jugendanstalt vor 40 Jahren. Nach der offiziellen Einweihung im Juni 1980 galt die JA zunächst als Vorzeigeknast. Im Laufe der Zeit musste man von vielen idealistischen Konzepten Abschied nehmen, denn die Herausforderungen waren und sind massiv. Die Dewezet schaut in einer Serie auf Vergangenheit und Gegenwart.

6.844 Zeichen
7 dazugehörige Bilder

Als Frau im Männerknast

Serie, Teil zwei: Psychologin Katja Liebmann arbeitet in der Jugendanstalt Hameln

Gesellschaft
Im Zweifelsfall sind sie körperlich unterlegen: Frauen, die im Knast arbeiten. Dennoch ist etwa die Hälfte aller Stellen in therapeutischen Diensten mit Frauen besetzt, auch Justizvollzugbeamtinnen gibt es in jeder Anstalt. Was früher undenkbar war, ist heute Normalität. In der Jugendanstalt Tündern (JA) sind 32 Prozent weibliche Bedienstete beschäftigt. Eine von ihnen ist Katja Liebmann.

4.816 Zeichen
3 dazugehörige Bilder

Mal streng, mal mit Gefühl

Serie, Teil drei: Vollzugsbeamter Patrick Hess kennt alle Stationen im Knast

Gesellschaft
Alltag in der Jugendanstalt (JA) – der ist heute deutlich strenger, als sich das ihr einstiger Leiter Dr. Gerhard Bulzcak gewünscht hätte. Seit Anfang der 1990er Jahre weht ein anderer Wind in der JA. Verwahren und Resozialisieren ist seither kein Widerspruch mehr, die Sicherheitsmaßnahmen sind hochgefahren worden, Straflockerungen zurück. Dennoch: Der Unterschied zwischen Niedersachsens einziger Jugendstrafanstalt und dem Erwachsenenvollzug im Land ist groß.

4.487 Zeichen
2 dazugehörige Bilder

Voll im Wettbewerb

MT-Serie #200in365: In der Behindertenhilfe arbeitet die Diakonie Stiftung Salem 
als Zulieferer für große Unternehmen. Und kämpft gegen Klischees an.

Gesellschaft
Die Diakonie Stiftung Salem in Minden hat 2.800 Mitarbeiter, davon 1.050 Menschen mit Behinderungen. In der Behindertenhilfe arbeitet die Diakonie als Zulieferer für Firmen wie Wago, Harting oder Grohe. Das Klischee der Arbeit ohne großen Anspruch trifft nicht zu. Im Gegenteil: Die Diakonie muss dieselben Standards einhalten wie andere Zulieferer auch. Das und die Ausbildung von Pflegekräften stellt die beiden Geschäftsführer Christian Schultz und Thomas Lunkenheimer vor große Herausforderungen.

5.423 Zeichen
2 dazugehörige Bilder

Wertschätzung fürs Ehrenamt

Wer sich in seiner Freizeit für andere und das Gemeinwohl einsetzt, soll eine Anerkennung 
und kleine Vergünstigungen erhalten. Das Netz der Angebote wächst stetig.

Gesellschaft
Sie rackern unermüdlich für andere, setzen sich selbstlos für das Gemeinwohl ein, aus vielen Bereichen sind sie nicht mehr wegzudenken: Ehrenamtliche. Jetzt sollen sie auch im Kreis Minden-Lübbecke verstärkt in den Genuss kleiner Vergünstigungen kommen. Möglich macht dies die Ehrenamtskarte, eine Initiative des Landes, die in immer mehr Städten und Gemeinden auf fruchtbaren Boden fällt und weitere Früchte trägt.

4.179 Zeichen
1 dazugehöriges Bild

Ohne Blickkontakt

Kommunikation lebt auch von Gestik und Mimik. Aber was passiert, wenn einer der Gesprächspartner nicht sehen kann?
Mareike Hörnschemeyer und Toni Monirji stehen mit ihrem Handicap mitten im Berufsleben.

Gesellschaft
An guten Tagen erkennt Toni Monirji sogar Gesichter. Draußen, wenn die Sonne scheint, ist die Chance am größten. Meistens aber muss er sich auf sein Gehör verlassen – und auf seinen weißen Stock. Toni Monirji ist sehbehindert. Mit Beginn der Pubertät hat sich sein Augenlicht verschlechtert. Schleichend zunächst, dann schlimmer. Heute sieht er fast nichts mehr – und wenn, dann mit einem extrem eingeengten Tunnelblick.

5.701 Zeichen
3 dazugehörige Bilder

Barfuß bis zum Hals

Bei der Bruthitze würden sich die meisten Leute am liebsten alle Klamotten vom Leib reißen.
Im abgeschirmten FKK-Bereich am Papensgrund geht das. Eine Annäherung an die Nacktheit in der Natur.

Gesellschaft
Ach du Schreck! Ein Besuch auf einem FKK-Gelände steht an. Muss ich mich gleich am Eingang ausziehen? Nimmt mir jemand die Klamotten weg? Solche Fragen sind beunruhigend, aber die Antwort ist in beiden Fällen: Nein.

4.989 Zeichen
4 dazugehörige Bilder

Zwei Fluchten

Sie ist 79, er 24. Sie kam in Pommern zur Welt, er im Iran. Beide mussten ihre Heimat verlassen und in der Fremde neu anfangen. Jetzt erzählen sie sich ihre Geschichten.

Gesellschaft
Margarethe Fabry ist sechs Jahre alt, als die Russen das erste Mal in ihr Heimatdorf Richnow in Pommern kommen und alles zerschlagen. Nur wenige Wochen später wird sie sich mit dem großen Treck der Vertriebenen nach Westen aufmachen, immer im Wettlauf mit der vorrückenden Armee. Es ist 1945 und der kälteste Winter seit Langem. Hussein Jelodar wird jäh aus dem Schlaf gerissen. Unbekannte zerren den 22-Jährigen aus seinem Bett in Ahwaz, Iran: Schreie, Schläge, Angst. Sie setzen ihn in ein Auto – wohin, warum, er weiß es nicht. Viele bange Kilometer weiter stoßen sie ihn aus dem fahrenden Wagen. „Da war mir klar: Wenn ich bleibe, töten sie mich.“ Es ist 2015, das Jahr, in dem sich Tausende auf den Weg in die Freiheit machen.

10.097 Zeichen
1 dazugehöriges Bild

Camping der Tüftler

Einmal im Jahr treffen sich die Mindener Amateurfunker zum „Field Day“ auf dem
Sportplatz Päpinghausen. Zum Fachsimpeln, Basteln, Ausprobieren. Und vor allem: zum Klönen.

Gesellschaft
Über Nacht ist auf dem Sportplatz Päpinghausen ein Wald von Antennen gewachsen: dicke, dünne, gerade, krumme. Auf einem Lichtmast blinkt ein Parabolspiegel in der Sonne, bunt markierte Heringe verankern überall am Boden die Spannleinen. Keine zwei dieser selbst gemachten Konstrukte gleichen sich. „Oft gehen wir über den Schrottplatz und schauen einfach, was da ist“, sagt Ute Bethge. „Ein Funker macht aus allem was und kann alles brauchen.“ „DJ4UB“ steht auf dem T-Shirt der 52-Jährigen. Das ist ihr Rufzeichen. Mit „Ute“ wird sie sich an diesem Wochenende höchstens Außenseitern vorstellen. Üblicherweise sagt man hier seine Kennung, wenn man einander begrüßt. Nicht, dass das n

8.087 Zeichen
5 dazugehörige Bilder

Ein langer Weg

Abdalhadi Abou Harb spricht gut Deutsch, hat studiert und bringt anderen Flüchtlingen auf 
YouTube bei, wie man die fremde Sprache lernt. Trotzdem findet der 27-Jährige keinen Job.

Gesellschaft
Versicherung. Das war das erste Wort, das Abdalhadi Abou Harb gelernt hat, als er nach Deutschland kam. Gegenüber der Bushaltestelle in Passau – seiner erste Anlaufstelle in Deutschland – sah er die zwölf Buchstaben als Schriftzug an einem Haus stehen. Seine Übersetzungsapp fragte er, was es bedeutete. Irgendwie war er gleich davon angetan. Denn in Versicherung steckt Sicherheit. Und genau das sucht der 27-jährige Syrer hier in Deutschland.

6.199 Zeichen
1 dazugehöriges Bild

"Jude, gib mir Gold!"- Judenfeindlichkeit in Deutschland

Fremde Menschen beleidigen Levi Israel Ufferfilge, weil er eine Kippa trägt. 
Wie lebt es sich als Jude in Deutschland?

Gesellschaft
Manchmal setzt Levi Israel Ufferfilge Kopfhörer im Zug auf, obwohl sie keine Laute von sich geben. Diese Attrappe hält Menschen davon ab, ihn wegen seiner Kippa zu belästigen. Im Interview spricht der im Mühlenkreis aufgewachsene 30-Jährige über Antisemitismus, sein Leben mit der Kippa, den Rechtsruck in Deutschland und die möglichen Folgen für die jüdischen Gemeinden.

9.902 Zeichen
1 dazugehöriges Bild

Sammler-Glück

Bernd Beyer sammelt leidenschaftlich Notgeld-Scheine aus Westfalen

Gesellschaft
Für Bernd Beyer ist das Suchen und Finden alter Geldscheine das Schönste an seinem Hobby. Und natürlich das Fachsimpeln mit Gleichgesinnten. Für seine Sammelleidenschaft hat sich der Hiller einen extra Raum eingerichtet, in den er sich zurückziehen kann. Allein schon der Schrank, in dem er seine Notgeld-Sammlung aufbewahrt, ist ein echter Hingucker. Er stammt aus der ehemaligen Feldschlößchen Brauerei in Minden – aber das ist eine andere Geschichte.

6.254 Zeichen
2 dazugehörige Bilder

Ein weiter Weg zum Traum

Suren Simonyan ist mit dem Auto zur WM nach Russland gereist. 
Bereut hat der Taxifahrer die 6.800-Kilometer-Fahrt nicht.

Gesellschaft
Beinahe sieht Suren Simonyan kein WM-Spiel, obwohl er Tickets besitzt und sich nach einer langen Anreise in Sotschi befindet. Bei einer Sicherheitskontrolle unweit des Stadions lässt er seine Umhängetasche liegen. Darin befinden sich die Eintrittskarten, das Urlaubsgeld – 2.000 Euro in bar – und alle Dokumente.

2.730 Zeichen
1 dazugehöriges Bild

Die Gefahr schwimmt mit

Eigentlich sollen Kinder am Ende ihrer Grundschulzeit sicher schwimmen können. In der Realität gilt das meistens
nur für Schüler, deren Eltern sich selbst kümmern. Denn die Klassengrößen stellen Lehrer oft vor Probleme.

Gesellschaft
Immer wenn ein Kind in einem Badesee oder Pool ertrinkt, hat Marie M. eine unruhige Nacht. Die Sportlehrerin gibt Schwimmunterricht in einer Grundschule, ist dabei teilweise mit 22 Kindern allein in einem Lehrschwimmbecken. „Da bin ich hauptsächlich mit Zählen beschäftigt“, sagt die 30-Jährige. Zählen vor der Halle, zählen auf dem Flur vor den Duschen, zählen nach dem Duschen und immer mal wieder im Becken. Den Kindern so das Schwimmen beizubringen, sei utopisch. Sie ist meistens schon froh, wenn alle beschäftigt sind. Marie ist Beamtin und möchte deswegen nicht mit Namen genannt werden.

7.811 Zeichen

Der Reiz des Verlassenen

Seit drei Jahren steht das ehemalige Hotel Porta Westfalica leer und doch kommen regelmäßig Besucher. Das Objekt wird von Dieben, „Urban Explorern“ und gelangweilten Jugendlichen heimgesucht.

Gesellschaft
Der Fußboden der ehemaligen Hotel-Gaststätte ist mit Hunderten weißen Pilsdeckchen übersäht. Auf den Tischen liegen leere Blumenkübel neben zerbrochenem Porzellan und Aschenbechern, ein verstaubter Osterhase steht neben Plastikblumen. Die Bilder zeigen ein ehemaliges Vier-Sterne-Hotel, das wenig von seinem Glanz behalten hat. Das totale Chaos an einem Ort, der seit Oktober 2015 eigentlich verlassen sein sollte. Und genau das macht ihn für die drei Männer so interessant: Sie wollen das ehemalige Hotel Porta Westfalica erkunden und somit eine weitere Kerbe in ihr Holz schlagen. Der leer stehende Komplex zu Füßen des Wesergebirges ist nur eine von vielen Stationen auf ihrer „Deutschlandtour“.

3.958 Zeichen
1 dazugehöriges Bild

Im Heimathafen: Leben auf dem Hausboot

Ein Traum, der viel Geduld erfordert – und das nötige Kleingeld

Gesellschaft
Seit über einem Jahr wohnen Reiner Olias und Kerstin Becker auf ihrem Hausboot im Hamelner Schutzhafen. Mit dem Leben auf dem Wasser haben sie sich einen Traum erfüllt. Im März 2017 sind sie aus Hamburg gekommen – mitsamt der Janneke Jans. Es war ein nicht alltäglicher Umzug, der entsprechend medial begleitet wurde. Schiffer Helmut Rüffer aus Minden hatte das Hausboot damals an Bord seines 80 Meter langen Frachters Otrate. Wir haben nachgefragt, wie es sich so lebt und was man als Hausbootbesitzer alles wissen sollte.

5.763 Zeichen
3 dazugehörige Bilder

Raus aus der Ausgrenzung

MT-Serie #200in365: Weil sich die Häverstädterin Sarah Kostecki als Mutter eines behinderten Kindes oft abgelehnt fühlte, arbeitet sie an einem regionalen Eltern-Netzwerk.

Gesellschaft
Sarah Kostecki weiß, wie es ist, alleine zu sein. Alleine mit den Sorgen, alleine mit der Angst, alleine als Familie gegen die Krankenkasse, die einen Antrag abgelehnt hat. Die Mutter weiß, wie es sich anfühlt, am Rand zu stehen und den Gesunden beim Leben zuzusehen.

3.936 Zeichen
1 dazugehöriges Bild

Zurück ins Leben

Vor einem Jahr wurden Jannis Meyer und Tim Dunkhorst bei einer Explosion im Hahler Hafen schwer
verletzt. Seitdem ist viel passiert: Ein Treffen an einem Schicksalsort, der auch ein bisschen Zuhause ist.

Gesellschaft
Nur ein paar neue Bretter deuten im Hahler Hafen auf den 11. Juli 2017 hin. Sie liegen direkt am Anfang des vorletzten Steges, noch etwas besser in Schuss als ihre Nachbarn, wenngleich schon ein bisschen ausgeblichen. Am Ende des Sommers werden sie sich wieder nahtlos ins Bild einfügen und die Erinnerung an den schwersten Unfall in der Geschichte der Mindener Feuerwehr noch ein bisschen mehr verblassen lassen.

7.424 Zeichen
2 dazugehörige Bilder

Im Spiegel verschwunden

Was ein „toter Winkel“ ist, zeigen Verkehrserzieher und Lkw-Fahrer an Schulen ganz praktisch. Denn auf 
den Straßen müssen sich auch Radfahrer und Fußgänger selbst vor Gefahren schützen können.

Gesellschaft
Ein Lastwagenfahrer biegt nach rechts ab, übersieht den Radfahrer neben sich, und der gerät unter die Räder: „Es hat in der Region wieder solche Unfälle gegeben, und wir wollen so etwas verhindern“, sagt Friedrich-Johannes Schierenberg, Mitgesellschafter der Mindener Spedition Schröder und Schierenberg. An diesem Tag im Juni steht der Spediteur mit seiner Ausbildungsleiterin Christine Söffker auf dem Hof der Hohenstaufenschule und ergänzt das Verkehrssicherheitstraining für die Kinder aus den vierten und fünften Klassen mit dem Thema „toter Winkel“. Das ist der Bereich, in dem der Lkw-Fahrer nichts sehen kann.

7.386 Zeichen
2 dazugehörige Bilder

Botschafterin des Friedens

Alena Flintzak leistet von September an ihren Freiwilligendienst bei der Aktion Sühnezeichen in Brüssel. Was sie dazu bewogen hat und was sie von dem Jahr erwartet, erzählt sie hier.

Gesellschaft
Von wegen politikmüde Jugend: Alena Flintzak aus Minden hat sich entschieden, nach dem Abitur ein Jahr Friedensdienst bei der Aktion Sühnezeichen (ASF) in Belgiens Hauptstadt Brüssel zu leisten. Richtig los geht es am 11. September, bis dahin ist die 18-Jährige gut beschäftigt. Zur Vorbereitung besuchen die Friedensdienstler die Gedenkstätte Auschwitz, anschließend macht Alena ein Praktikum im Robert-Nussbaum-Heim in Minden. Und dann sind da noch die Ferienspiele im Jugendhaus Geschwister Scholl, die sie betreut. Dort engagiert sich die Abiturientin seit ihrem 16. Lebensjahr, außerdem ist sie bei den Jusos aktiv. Eine Heilige ist sie trotzdem nicht: Hinter ihr liegt eine Auszeit an Spaniens Stränden mit Freunden aus ihrer Jahrgangsstufe.

4.282 Zeichen
1 dazugehöriges Bild

Alltag, Akten und Artisten

Minden ist eine von 30 Städten, die das Unternehmen Krone auf seiner aktuellen Tournee ansteuert. Was sich hinter den Kulissen abspielt, hat mit Romantik wenig zu tun. Der Zirkus, das ist eine Welt für sich.

Gesellschaft
„Du musst das Hufeisen mit der Öffnung nach oben aufhängen, sonst fällt das Glück heraus“, sagt Nikolai Tovarich zu seinem Kollegen, der das eiserne Symbol am Eingang zur Manege anbringt. Tovarich (66) glaubt an das, was er sagt – und er glaubt an den Zirkus. Es sind noch einige Stunden bis zur Premiere, und der Sprechstallmeister hat Zeit für einen Plausch. Er redet gerne, und das in sechs Sprachen, alles ohne Schulabschluss: „Um Gottes willen, ich brauche kein Diplom. Erfahrung ist alles.“ Mit sechs Jahren kam er zum Zirkus und blieb. Er danke Gott jeden Tag, dass er bei Krone gelandet sei, sagt er und das nimmt man ihm ab.

6.483 Zeichen
5 dazugehörige Bilder

Zwischen Stille und Lärm

Zur Inklusions-Debatte könne er nichts sagen, meint Mert Ali Dündar. Aber wie er mit seiner Höreinschränkung die Zeit an einer Regelschule erlebte, davon kann der 17-Jährige berichten. Vor allem der Anfang war nicht leicht.

Gesellschaft
Ohren zuhalten – das ist das Zeichen, dass Mert Ali Dündar den Lärm seiner Klassenkameraden nicht mehr aushält. Dann verursachen seine Hörgeräte solche Schmerzen, dass nichts mehr geht. Irgendwann merken das die Mitschüler – und werden leiser. Und sie fragen ihn, ob sie mit ihm nach draußen gehen sollen, in die Stille.

7.469 Zeichen
1 dazugehöriges Bild

Anleitung zum Autoknacken

Praxisprojekte an der Fachhochschule nehmen manchmal ungeahnte Wendungen.
 Plötzlich beschäftigen sich Studenten mit dem Knacken von Autos und Alarmanlagen.

Gesellschaft
Am Ende sind sie fast selbst erschrocken, wie leicht das geht. Auf dem Video, das die Studenten für die Präsentation ihres Projektes gedreht haben, ist deutlich zu sehen, wie einem von ihnen entsetzt die Kinnlade runter klappt, als er sieht, wie sich sein Auto öffnet, ohne dass er den Schlüssel in die Hand genommen hat.

3.912 Zeichen
1 dazugehöriges Bild

Einmal Sotschi und zurück

Der Mindener Suren Simonyan reist zur Fußball-Weltmeisterschaft nach Russland und erfüllt sich damit einen 
Kindheitstraum. Den weiten Weg legt er allerdings mit dem Auto zurück – seine Flugangst lässt nichts anderes zu.

Gesellschaft
Autofahren, damit hat Suren Simonyan kein Problem. Ganz im Gegenteil: als Taxifahrer legt der 53-jährigen Mindener pro Monat mehr Kilometer zurück als die meisten Menschen binnen eines ganzen Jahres. Doch das, was er nun in Angriff nimmt, ist für den Armenier auch eine Premiere. Für die Fußball-WM in Russland startet er am Sonntagabend mit seinem Audi A6 eine mehr als 6800 Kilometer lange Reise über die Hauptstadt Moskau bis an das Schwarze Meer – einmal Sotschi und zurück heißt es dann für den Fußballverrückten.

4.793 Zeichen
1 dazugehöriges Bild

Ein Leben ohne Müll?

Haarseife statt Shampoo, Brotdose statt Alufolie – Jana Brandt aus Minden versucht, 
ihren Müllverbrauch zu reduzieren und stößt dabei an Grenzen.

Gesellschaft
Immer mehr Menschen leben „Zero Waste“. Sie wollen so wenig Müll produzieren, wie möglich. Ein Lebensstil, der zwar gut für die Umwelt, aber meist aufwendig, teuer und vor allem nicht alltagstauglich ist. Jana Brandt (24) aus Minden versucht seit einigen Monaten, ihren Müllverbrauch zu reduzieren und stößt dabei immer wieder an Grenzen. Oft gibt es keine Alternative, sie ist zu teuer oder aber es fehlt die Zeit. Sie meint: Trotzdem kann jeder ohne große Umstände seinen Müllverbrauch reduzieren. „Komplett auf Müll zu verzichten ist nahezu unmöglich“, sagt die 24-Jährige. Je länger man sich aber mit dem Thema befasse, desto mehr schärfe man seinen Blick für aufwendig beziehungsweise wenig verpackte Produkte.

7.360 Zeichen
3 dazugehörige Bilder

Wohin mit dem Müll?

Familie Schubert versucht seit Wochen, an gelbe Säcke zu kommen – vergeblich.
Mittlerweile haben sie sich die Beutel für Verpackungsmüll kostenpflichtig im Internet bestellt.

Gesellschaft
Christian und sein Vater Peter Schubert sind sauer und ziemlich ratlos. Seit zwölf Wochen versuchen die Hiller an gelbe Säcke zu kommen, um ihren Verpackungsmüll zu entsorgen – vergeblich. Mittlerweile haben die beiden die Müllbeutel kostenpflichtig im Internet bestellt. „Das System hat sich selber abgeschafft“, sagt Peter Schubert, aber Müllgebühren, die müsse er trotzdem jeden Monat zahlen.

4.643 Zeichen
2 dazugehörige Bilder

Ein Leben fürs Sammeln

Was Walther Lehnert aus Lügde über Jahrzehnte zusammentrug, interessiert auch das Fernsehen

Gesellschaft
Der 2017 verstorbene Lügder Walther Lehnert war ein sehr spezieller Sammler. Vom winzigen Intarsien-Bildchen über große Ölgemälde, Zinngefäße, Porzellan, Nippes, Reliquienschreine und große Heiligenfiguren bis hin zu Biedermeiermöbeln und historischen Dokumenten er hat über die Jahre eine bunte Mischung zusammengetragen. Die Sammlung ist so speziell, dass sogar das Fernsehen ihr schon eine Sednung widmete.

5.722 Zeichen
5 dazugehörige Bilder

Wer hat Angst vorm Schrottsammler?

Schrottsammeln ist nicht illegal – solange die Händler behördliche Auflagen erfüllen

Gesellschaft
Groß ist das Misstrauen, wenn reisende Schrotthändler durch die kleinen Städte und über die Dörfer fahren, und entweder mit lautem Geklingel auf sich aufmerksam machen oder die Anwohner direkt fragen, ob sie Altmetall zu verkaufen hätten. „Vorsicht! Hier fährt ein Schrotthändler rum!“, heißt es dann oft in öffentlichen Facebook-Gruppen. Doch ist das Misstrauen überhaupt begründet?

6.255 Zeichen

„Lichtjahre entfernt“

Meilenstein für den Datenschutz oder Bürokratie-Monster? Die EU-Datenschutzverordnung bringt 
Zündstoff in heimische Firmen, Vereine und Institutionen. Der Nachholbedarf ist enorm.

Gesellschaft
Es wird ernst: Am 25. Mai tritt die neue Datenschutzverordnung (DSGVO) in Kraft. Sie soll den Schutz personenbezogener Daten innerhalb der EU sicherstellen. Manche Datenschützer halten sie für einen „Meilenstein“, betroffene Firmen, Arztpraxen und andere Institutionen schimpfen auf das „bürokratische Monster“.

6.698 Zeichen

Zwangspause fürs Gericht

Wenn Zeugen trotz Vorladung nicht erscheinen, kann das schnell teuer werden. Denn die Kosten müssen sie 
in der Regel trotzdem tragen. Und manchmal kommt sogar die Polizei und holt sie von zu Hause ab.

Gesellschaft
Immer häufiger platzen Strafprozesse vor den Amtsgerichten, juristisch korrekter: Die Verhandlung wird ausgesetzt, weil Zeugen nicht erschienen sind. Selbst Hauptbetroffene, die Angeklagten, „vergessen“ schon mal, dass sie zum Gericht müssen. Solche Versäumnisse können teuer werden.

3.154 Zeichen

Auf der Jagd nach dem Azubi

Der Ausbildungsmarkt hat sich radikal verändert. Unternehmen und Schulen
sind gezwungen, neue Wege zu gehen – zum Beispiel an der Freiherr-von-Vincke-Realschule.

Gesellschaft
Etwas hat sich gedreht bei der Azubi-Suche: „Manche schreiben nur eine einzige Bewerbung“, sagt Martin Heinzmann, Prokurist bei Hagemeyer. „Ja, drei Bewerbungen sind schon viel“, bestätigt Thomas Heimann, der bei Wago den Bereich „Ausbildung International“ leitet. Noch vor ein paar Jahren hat das ganz anders ausgesehen. Von einem „Bewerbermarkt“ sprechen Arbeitsmarktexperten in vielen Bereichen mittlerweile. Das Angebot an betrieblichen Ausbildungsstellen übersteigt die Anzahl an potenziellen Lehrlingen. Nun gehören weder Hagemeyer noch Wago zu den Unternehmen, die nicht mehr in der Lage sind, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Doch auch für sie hat sich einiges geändert.

8.042 Zeichen
1 dazugehöriges Bild

Vom Sorgenkind zum Namensgeber

Vor über 40 Jahren standen die Mühlen in der Region vor dem Verfall. 
Beim gestrigen Deutschen Mühlentag präsentierten sie sich mit unterschiedlichen Aktionen.

Gesellschaft
„Dass daraus mal eine so enge Bindung zwischen Mühlen und dem Kreis Minden-Lübbecke entstehen würde, damit haben wir nicht gerechnet,“ sagt Alt-Landrat Heinrich Borcherding, rückblickend auf die Anfänge der Mühlenerhaltung im Kreis vor 40 Jahren.

6.481 Zeichen
5 dazugehörige Bilder

„Ich bin mein eigener Motor“

Anton Bellroth radelt von Bingen über Petershagen nach Island. Damit will er für
Knochenmarkspenden werben. Sein bester Freund hat Blutkrebs.

Gesellschaft
Mitfahrer hat er keine gefunden. „Wenn ich erzähle, dass ich täglich 100 bis 200 Kilometer auf meinem Fahrrad unterwegs bin, winken die Leute ab“, sagt Anton Bellroth. Und so ist und bleibt er Einzelkämpfer. 2016 war er zweieinhalb Monate aus seiner Heimatstadt Bingen bis zum Nordkap unterwegs, jetzt fährt er nach Island. Nicht einfach so, sondern mit einer Mission. Er will für Knochenmarkspenden werben, weil sein bester Freund an Leukämie erkrankt ist.

4.775 Zeichen
1 dazugehöriges Bild

Die Macht der Geschlechterbrille

Christoph Grote über die Erziehung von Jungen

Gesellschaft
Man hat’s nicht leicht – die Phrase trifft auf jeden dann und wann zu. Auch auf Jungs, die in einer Welt aufwachsen, in der Erwachsene bestimmte Vorstellungen vom Mann und seinem Vorgängermodell „Junge“ haben und die explizit oder unterschwellig an ihre Söhne und Töchter weitergeben. Die wiederum nehmen mit, was ihnen zu Hause in den Rucksack gepackt wird und entleeren ihn in der Kita oder in der Schule, altersbedingt gerne unreflektiert. Pädagogen kommt daher eine besondere Aufgabe zu, findet Christoph Grote vom Verein „mannigfaltig“ aus Hannover.

4.269 Zeichen

Datendiebe überall

Wenn Kriminelle mit digitalen Mitteln Straftaten begehen, geht es um Datenspionage und Sabotage. Auch im Kreis Minden-Lübbecke hat die Zahl der Delikte zugenommen. Aber es gibt auch Schutz vor den Tätern

Gesellschaft
Der 58-jährige Mindener glaubte, auf einfache Weise an Geld und Wertobjekte gelangen zu können. Er versuchte am 11. November vergangenen Jahres mithilfe von Kartenlesegeräten und einer Kamera, in einer Mindener Bank die EC-Karten von Kunden auszulesen, um sich Zugang zu den Schließfächern zu verschaffen. Dabei hatte er es auf die PIN-Nummern der Kunden des Geldinstituts abgesehen. Nur vier Zahlen brauchte er zum Knacken der Schlösser. Seine technischen Manipulationen wurden aber nach einigen Tagen durch Mitarbeiter der Bank entdeckt, die darauf hin die Polizei einschalteten. Schließlich wurde der Tatverdächtige verhaftet. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bielefeld dauern an. Anklage wurde noch nicht erhoben.

8.002 Zeichen

Geldautomat – ein Auslaufmodell?

Nach jahrzehntelangem Zuwachs sinkt die Zahl langsam, aber kontinuierlich

Gesellschaft
Während Bäcker, Schlachter und sogar der Briefkasten auf dem platten Land längst auf dem Rückzug sind, gab es eine Einrichtung, auf die man sich immer verlassen konnte: der Geldautomat. In fast jedem kleinen Dorf zuhause, sicherte er den Bargeldnachschub, ohne dass sich Mensch groß fortbewegen musste. Doch seit einiger Zeit schrumpft ihre Zahl – langsam, aber kontinuierlich. Ereilt den Geldautomaten nun das gleiche Schicksal wie den Postkasten? Und was bedeutet das für die Landbevölkerung?

4.155 Zeichen
1 dazugehöriges Bild

Hinter Gittern

Ex-Junkie und Buchautor $ick über Freiheitsdrang und Drogen in der Jugendanstalt

Gesellschaft
Vom 7. November 1991 bis zum 21. Dezember 1993 saß Ex-Junkie $ick in der Jugendanstalt Tündern ein. An die Daten erinnert er sich noch ganz genau. Aus der erhofften Bewährungsstrafe wurden damals fast drei Jahre – weitere Gefängnisaufenthalte folgten. Heute lebt der YouTube-Star, Grimmepreisträger und Buchautor von „Shore, Stein, Papier“ in Berlin und ist seit sechs Jahren clean. Noch immer ist die Aufarbeitung seiner Geschichte das zentrale Thema in seinem Leben. Jüngst war er bei Schülern der Handelslehranstalt zu Gast. Auch in der JA würde er gern eine Lesung abhalten. Wir haben ihn nach seiner Zeit dort gefragt.

7.551 Zeichen
2 dazugehörige Bilder

Alleskönner am Puster und PC

Grauer Kittel und Dackel unterm Arm? Von wegen! Der Job des Hausmeisters hat wenig mit dem Klischee aus der TV-Serie „Hausmeister Krause“ zu tun. Stattdessen wird er immer technischer.

Gesellschaft
Sie sind stille Helfer im Hintergrund: Hausmeister schauen nach dem Rechten, helfen, wenn es irgendwo klemmt und stehen trotzdem nur selten im Mittelpunkt. So wie in der TV-Serie „Hausmeister Krause“ (1999 bis 2010) – mit Cordhut, Kittel und Dackel – sind sie nur noch vereinzelt zu sehen. Auf Facebook hat das Mindener Tageblatt seine Leser gefragt, welche Hausmeister in Minden und Umgebung die coolsten sind und ein bisschen mehr Aufmerksamkeit gebrauchen könnten. Zwei von ihnen sind Isabel Monka-Tiedermann und Peter Ullmann. Ein Ortsbesuch.

8.136 Zeichen
2 dazugehörige Bilder

Tag der Arbeit: Vom Arbeiten in der Baubranche

Zum Tag der Arbeit erzählen zwei Berufstätige von ihren Jobs in der Baubranche.
Es geht um Druck, Stress und Veränderungen – und darum, wie sie damit umgehen.

Gesellschaft
Ob er sich schon auf die bevorstehende Rente freut? Alexander Zemaida muss kurz überlegen. „Ich werde mit einem lachenden und einem weinenden Auge gehen“, sagt der 64-jährige Lkw-Fahrer mit Blick auf den November dieses Jahres. „Mein Problem ist: Die Arbeit macht mir immer noch sehr viel Spaß“, fügt der Mindener mit einem Lächeln hinzu. Seit 40 Jahren ist Zemaida bei der Firma Tramira tätig, die sich auf die Produktion und den Vertrieb von Transportbeton und anderen Baustoffen konzentriert. „Mit 14 Jahren aus der Schule, mit 17 die Lehre beendet – dann ging es für mich sofort ins Arbeitsleben“, erzählt er rückblickend. Sein Arbeitstag beginnt morgens zwischen 5.30 und 10 Uhr, Zemaida ist dann den ganzen Tag mit seinem Betonmischer unterwegs, fährt von Baustelle zu Baustelle. Dass er niemanden um sich herum hat, sondern stets alleine unterwegs ist, stört ihn nicht. „Das ist kein Problem, ich muss mich ja während der Fahrt auf den Verkehr konzentrieren.“

3.263 Zeichen
2 dazugehörige Bilder

Durchhalten: Die letzten Tage der Schwangerschaft

Hoffentlich geht’s bald los:

Gesellschaft
Halte durch! Diese Parole hört Jessica Raudzis in den letzten Tagen oft. Bis zum errechneten Geburtstermin am Sonntag, 6. Mai, sind es noch 11 Tage. Die Hochschwangere hätte nichts dagegen, wenn es bald losgeht. „Man weiß echt nicht, wohin mit sich.“ Sie schiebt inzwischen eine beachtliche Kugel vor sich her, die „überall im Weg ist“. Sie habe eine super Schwangerschaft gehabt, sagt Jessica, doch die letzte Zeit sei sehr beschwerlich. Wassereinlagerungen machen der 33-Jährigen so zu schaffen, dass sie nachts nicht schlafen kann. Vor allem die Fingergelenke sind betroffen und die Wirbelsäule.

2.865 Zeichen

Wir Versager

Über die Lebensgewohnheiten des professionellen Besserwissers

Gesellschaft
Sie sind umweltbewusst, sozial eingestellt und bemühen sich stets darum, sich selbst und anderen keinen Schaden zuzufügen? Afrika geht Ihnen nicht am Allerwertesten vorbei; Sie denken nach, bevor Sie kaufen und ernähren sich gesund?? Herzlichen Glückwunsch, mit dieser Einstellung sind Sie nicht alleine. Man sollte Ihnen dankbar sein, denn Menschen wie Sie machen die Welt zu einem besseren Ort. Ein kleiner Blumenstrauß wäre das Mindeste, was Sie für Ihre Bemühungen verdient hätten. Aber halt: „Stets bemüht“? Ist da das Scheitern nicht vorgeplant.

4.886 Zeichen
1 dazugehöriges Bild

Das Erlebte bewältigen

Die Polizei bietet Opfern von Straftaten, traumatisierten Unfallbeteiligten und trauernden Angehörigen Hilfe an. 
Viele Betroffene kennen das Angebot gar nicht – dabei können sie aus den Gesprächen neue Kraft schöpfen.

Gesellschaft
Es sind Begegnungen, die selbst bei erfahrenen Polizisten für einen dicken Kloß im Hals sorgen: Gespräche mit Familienangehörigen, deren Kind wenige Tage zuvor bei einem Unfall ums Leben kam. Gespräche mit Menschen, die Opfer eines schweren Verbrechens wurden. Gespräche mit Frauen, die seit Jahren von ihren Partnern sexuell missbraucht werden.

6.280 Zeichen