Brennpunkte

Mustafas Traum

Seinen ersten Antrag auf Familienzusammenführung lehnten die Behörden ab, nun hat 
Mustafa Alsheikh Saleh sich erneut beworben. Er ist ein Beispiel für viele Syrer, denen es ähnlich geht.

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Am schlimmsten ist die Ungewissheit. Doch Mustafa Alsheikh Saleh gibt die Hoffnung nicht auf, versinkt nicht in Verzweiflung, sondern wird aktiv. Seit drei Jahren hat der 50-jährige Syrer, der in Minden lebt, einen Traum: endlich mit seiner Frau und den drei Töchtern (23/17/15) vereint zu sein.

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Es fehlt ein Ort zum Trauern

Ein Missverständnis hat dazu geführt, dass ein tot geborener Junge anonym statt im Beisein seiner Familie bestattet worden 
ist. Das hat die Eltern verletzt. Wegen des Vorfalls haben die Mühlenkreiskliniken den Informationsweg geändert.

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Marlon ist 26 Zentimeter groß und 350 Gramm schwer, als sein Herz aufhört zu schlagen. An der Pinnwand im Flur seiner Eltern hängt ein Foto des Jungen: Eingewickelt in ein Handtuch, die Augen geschlossen, die Hände zu kleinen Fäusten geballt – ein vollständiges Baby, nur eben sehr klein. Vergangene Woche haben Kathleen und Jan Kempa ihrem Sohn eine Gedenkstätte auf dem Nordfriedhof angelegt. Wo genau er liegt, wissen sie nicht. Marlon wurde ohne sie beerdigt – eine Tatsache, die beide unerträglich finden. Schuld ist eine kleine, weiße Papierkarte.

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Lust oder Last?

Die Idee eines Pflichtdienstes bei der Bundeswehr oder im sozialen Bereich ist ein kontrovers 
diskutiertes Thema. In Minden überwiegt zurzeit die Skepsis.

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Essen auf Rädern ausfahren, Senioren im Altenheim unterstützen, Jungen und Mädchen in einem integrativen Kindergarten begleiten – allein im sozialen Bereich gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich zu engagieren. Nicht zu vergessen der kulturelle, sportliche und ökologische Bereich. Wäre die jetzt diskutierte Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht der richtige Weg, um den Bedarf zu decken? Ein Stimmungsbild aus Minden.

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Ein Parkplatz in der Hölle

Was erleiden Kinder oder Tiere, die in der Sommerhitze im Auto zurückgelassen werden? 
Ein Selbstversuch auf Kanzlers Weide an einem der heißesten Tage des Jahres zeigt Folgen.

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Minute 28: Ich wische mir mit der Hand übers Gesicht. Meine Handfläche ist klitschnass. Jeder Atemzug ist anstrengend. Mein ganzer Körper gibt mir das Signal: Es ist zu heiß. Ich will hier raus.

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Risikofaktor Mensch: Wie Cyberkriminelle uns ausplündern wollen

Warum der kritische Blick (und ein Stück Klebeband) hilft

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Welches ist der größtes Risikofaktor in Sachen Internet-Sicherheit? Ganz klar: der Mensch. Das wissen der Informatiker Carsten Fischer vom niedersächsischen Landeskriminalamt und der bundesweit tourende Referent Leon Klein aus ihrem Berufsalltag. Das Ergebnis der Studie eines US-Sicherheitsunternehmens bestätigt das: „91 Prozent aller Cyber-Angriffe beginnen mit Phishing-E-Mails.“

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„Das ist eine ganz harte Nummer“

Heimische Berufs- und Hobbytaucher bewegen die dramatische Ereignisse 
in der thailändischen Höhle. Sie denken an die Kinder, oft aber auch an die Retter.

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Wer selbst taucht, sieht die Bilder aus Thailand mit ganz anderen Augen. Sieht völlig unerfahrene, geschwächte Kinder, die erst tagelang mit wenig Proviant im Dunkeln saßen und jetzt über eine hauchdünne Verbindung mit der Außenwelt in Kontakt sind. Sieht Retter, die eine Aufgabe vor sich haben, die kein Mensch so jemals geübt hat. „Jemanden ohne Tauchkenntnisse irgendwo raus zu retten, das stellt man sich einfacher vor, als es ist“, sagt Patrick Wichmann, erst ganz sachlich. Dann stockt er kurz. Setzt neu an: „Die Kinder befinden sich in großer Gefahr. Das ist eine ganz harte Nummer.“

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Stopp für Ex und Hopp

Egal ob Tüten oder Geschirr: Mindener Unternehmen machen schon lange beim Übergang vom Ein- zum
 Mehrweg-Produkt mit. Einem Verbot von Plastikartikeln sehen sie gelassen entgegen.

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Wie müssen wohl Mojito, Tequila Sunrise, Piña Colada oder andere Cocktails ohne Strohhalm munden? „Trinkhalme sind unverzichtbar“, meint Patrick Zander, Chef des LOP am Marktplatz in Minden. „Das geht gar nicht“, fügt auch Lars Rohlfing, Betreiber der Blue Bar am Anleger in Porta Westfalica, hinzu. Nicht nur die Saughilfen, sondern auch Einweg-Besteck und -Teller aus Plastik will die EU-Kommission in den Mitgliedsländern langfristig aus dem Verkehr ziehen, um die Umwelt zu entlasten. Da stellt sich die Frage, wie es mit dem Halm, der eben nicht aus Stroh, sondern aus Plastik besteht, weitergehen soll.

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Drogen aus dem Darknet

Ein 40-jähriger Mindener bezahlte mit der Kryptowährung Bitcoin seine
Suchtmittel. Für das Gericht war dann jeder Kontakt protokolliert.

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Die Ermittlungen führten bis in die USA. Das ominöse Dark-net und die Kryptowährung Bitcoin spielten jetzt eine Rolle im Prozess vor dem Schöffengericht Minden gegen einen 40-jährigen Mindener. Heraus kam fünf Jahre nach Aufdeckung der Drogendelikte eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen à zehn Euro wegen verbotenen Besitzes von Betäubungsmitteln.

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„Unvergessene Schreckenstat“: Als Hamelns Landrat Rüdiger Butte erschossen wurde

Sicherheitsdenken „deutlich intensiviert“

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Am 26. April 2013 wurde der Hameln-Pyrmonter Landrat Rüdiger Butte in seinem Büro erschossen. Das Attentat, das von einem Mann verübt wurde, der zuvor mit dem Landkreis im Streit gelegen hatte, sorgte bundesweit für Entsetzen und tiefe Betroffenheit. Fünf Jahre später ist der gewaltsame Tod Buttes nicht vergessen. Seither sind die Anforderungen an die Sicherheit in den Behörden vielerorts verschärft worden. Gleichzeitig gilt es dennoch in den Rat- und Kreishäusern im Weserbergland, auf keinen Fall den Eindruck des Abschottens gegenüber den Bürgern zu erwecken.

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Plastik von der Tonne auf den Teller?

Aus Biomüll entsteht oft umweltfreundlicher Dünger. Was tut die KAW gegen Kunststoffe darin?

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Auf Meeren und Ozeanen treiben Müllstrudel aus Plastik, teilweise fast fünfmal so groß wie Deutschland. Unter die Sandkörner der Strände dieser Welt haben sich fein gemahlene Partikel aus Kunststoff gemischt, zuletzt wiesen internationale Forscher sogar Plastik in der Tiefsee nach. Über Plastik in den Weltmeeren und Flüssen wird in den letzten Jahren viel geforscht – auch, weil es über Fische und essbare Meerestiere in der menschlichen Nahrungskette und somit im menschlichen Körper landet. Recht neu ist die Erkenntnis, dass große Mengen Plastik auch über Biodünger auf den Äckern landen – und von dort aus auf unsere Teller wandern. Dabei gelten Kompost und Dünger aus Biomüll eigentlich als umweltfreundliche Alternativen zu Kunstdünger.

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Nicht mal die Hälfte vom Plastikmüll wird recycelt

60 Prozent des Kunststoffes werden verbrannt

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Was passiert mit unserem Plastikmüll? Das ist eine Frage, die bundesweit zum Thema geworden ist, seit Umweltverbände Alarm schlagen, unsere Gewässer – nicht nur das Meer – würden zunehmend mit Plastik verschmutzt.Susanne Rintelen, Sprecherin der Abfallwirtschaftsgesellschaft in Schaumburg, sagt: „Plastik ist nicht gleich Plastik.“

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Die 112 wird immer häufiger gewählt

Mehr Ältere, gestiegenes Anspruchsdenken: Die Zahl der Notrufe hat sich in zehn Jahren fast verdoppelt

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Seit vier Tagen hat der Mann, der nachts in der Kooperativen Leitstelle anruft, Schmerzen. Ein anderer „Notfall“ hat eine nicht all zu tiefe Schnittwunde am Finger und der Jugendliche, für den ein Rettungswagen angefordert wird, ist betrunken. Der Erste hätte eigentlich auch tagsüber zum Hausarzt gehen, der Zweite hätte selbst ins Krankenhaus fahren können und beim Dritten wäre nichts passiert, wenn ihn ein Freund nach Hause gebracht hätte. Hätte. Doch immer häufiger wird im Zweifel oder wegen Bagatellen die 112 gewählt.

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Trauer und Fragen bleiben

Nach dem Freitod eines jungen Flüchtlings: 
Die Stadt Minden bietet den Ehrenamtlichen und Freunden spezielle Hilfe an.

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Mit großformatigen Anzeigen wurde in der vergangenen Woche im Mindener Tageblatt auf den Tod eines jungen Mannes aufmerksam gemacht. Wer sie genauer las erfuhr: Mohammad Rabiul Hogue (genannt Rabi) war in Minden integriert, hatte aber Angst vor der Zukunft. Am 26. Februar schied er freiwillig aus dem Leben. Da war er gerade 20 Jahre alt. Eine Spurensuche.

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Der Krieg in den Köpfen

Zwischen Minen und Misstrauen – wie Interhelp den Ärmsten der Armen auf Sri Lanka hilft

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Tamili heißt das junge Mädchen in der grün-weißen Schuluniform, das mit glockenklarer Stimme für uns ein traditionelles Willkommenslied singt. Die Augen hat sie scheinbar auf einen fernen Punkt am Horizont geheftet. Tamili – ein „patriotischer“ Name hier im einst heiß umkämpfen tamilischen Norden von Sri Lanka, dem Gebiet, das nach dem Willen der Separatisten einmal Tamil Eelam heißen sollte.

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Diagnose: Contergan

Dirk Heumann wurde ohne Gelenke in den Handballen geboren / Lange wollte seine Mutter den Grund nicht wahrhaben

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Ungefähr 5000 Kinder sind zwischen 1957 und 1961 mit schweren Missbildungen, vor allem an Armen und Beinen, zur Welt gekommen. Von ihnen leben heute noch etwa 2400. Ihre Mütter hatten während der Schwangerschaft das verschreibungspflichtige Beruhigungs- und Schlafmittel Contergan der Firma Grünenthal eingenommen. Der Wirkstoff Thalidomid, der auch gegen Schwangerschaftsübelkeit wirken sollte, verursachte die sogenannten Conterganschäden. Vor 50 Jahren begann der Prozess von Opfern gegen Grünenthal.

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So wird das Zwischenlager am AKW Grohnde aussehen

Strahlender Schutt vom Rückbau soll „versenkt“ werden

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Warum soll am AKW in Grohnde ein weiteres Zwischenlager gebaut werden? Wie wird es aussehen? Welche Ausmaße soll es haben – und viel wichtiger: Wird von dem dort eingelagerten schwach- und mittelradioaktiven Abfällen eine Gefahr für Mensch und Tier ausgehen? Fragen über Fragen, die aufgetaucht sind, nachdem bekannt wurde, dass der Betreiber des Kernkraftwerks Grohnde beim Niedersächsischen Umweltministerium einen Antrag gestellt hat, eine solche Halle aus Stahlbeton zu bauen. Wir haben nachgefragt bei Preussen Elektra und bei der Atomaufsichtsbehörde.

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Engpass bei Narkosemittel

Wenig Remifentanil auf dem Markt / Höhere Nachfrage bei Hameln Pharma Plus

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Ginge es so einfach, würde Dr. Stefan Bartsch gerne kurzerhand die Produktionsmenge erhöhen lassen. 20 bis 30 Anrufe kommen nach seiner Aussage seit einiger Zeit beim Pharmaunternehmen „hameln pharma plus gmbh“ an, immer mit derselben Anfrage: „Ob wir mit Remifentanil beliefern können.“ Remifentanil ist ein Betäubungsmittel, das unter unterschiedlichen Namen für Vollnarkosen eingesetzt wird. „Ultiva“ heißt das Original des Herstellers Glaxo Smith Kline (GSK). Ein generisches Pendant – das von hameln pharma plus – ist als Remifentanil-hameln auf dem Markt. Seit Monaten allerdings gibt es für dieses Opioid Engpässe, die bereits den deutschen Gesundheitsminister Hermann Gröhe auf den Plan gerufen haben.

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Patient baut Haschisch an

… und bekommt Ärger mit der Polizei – dabei darf Hamelner die Droge einnehmen

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Peter K. (Name von der Redaktion geändert) ist krank, schwer krank sogar. Der 35-Jährige leidet an mehreren Krankheiten, wie er selbst sagt. Er sei zu hundert Prozent schwerbehindert, habe täglich mit starken Schmerzen zu kämpfen. K. setzt auf Cannabisarzneimittel als Therapie. Der Hamelner ist ein Ausnahmefall. Er ist einer von nur 647 Patientinnen und Patienten, die bundesweit eine Erlaubnisse für den legalen Bezug von Cannabisblüten und -extrakten zur medizinischen Anwendung erhalten haben.

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„Lasst uns unsere Arbeit machen“

Gewalt gegen Rettungskräfte – auch in Hameln-Pyrmont kommt das vor

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Unfallhelfer  werden immer häufiger selbst zu Opfern: Lebensretter sind keineswegs überall willkommen. Die Gewalt gegen Rettungskräfte steigt. Um die 100 Fälle waren es laut Kriminalstatistik in Niedersachsen von 2011 bis 2014, im vergangenen Jahr lag die Zahl sogar bei rund 150. Ausgeprägt ist das Phänomen in Großstädten und Metropolregionen, doch auch Mittelzentren (5000 bis 20 000 Einwohner) sind betroffen, wie eine repräsentative Studie der Uni Bochum zeigt. In der Befragung, die erstmals (...)

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Private Fahndungsaufrufe mit Bild sind der Polizei Dorn im Auge

„Man bewegt sich damit im Bereich der Selbstjustiz“

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Der Ladendieb ist längst entkommen. Aber da ist noch das Bild der Überwachungskamera, ein bisschen undeutlich zwar, aber wer den Mann kennt, wird ihn wohl auch wiedererkennen. Wäre es da nicht hilfreich, das Foto ins Internet zu stellen und über Facebook und Twitter zu fragen, wer dieser Mann sein könnte? Immer wieder kursieren private Fahndungsaufrufe zu Ladendiebstählen in den sozialen Netzwerken. Sie werden teils hundertfach geteilt, in den meisten Kommentaren herrschte große Zustimmung. „Die Polizei“, hieß es, „die macht ja sowieso nichts.“ Aber was sagt die Polizei zu privaten Fahndungsaufrufen?

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